Strommix Europa: Wind und Sonne überholen Kohle und Gas
Woher Europas Strom kommt: 2025 lieferten Wind und Sonne in der EU erstmals mehr als fossile Kraftwerke. Zahlen, Länderunterschiede und Datenquellen.
Strom & NetzVeröffentlicht
2025 haben Wind und Sonne in der EU erstmals mehr Strom erzeugt als alle fossilen Energieträger zusammen. Laut dem European Electricity Review 2026 des Energie-Thinktanks Ember kamen 30,1 % des EU-Stroms aus Wind und Sonne (841 TWh), 29,0 % aus Kohle, Gas und anderen fossilen Quellen (809 TWh). Erneuerbare insgesamt lieferten knapp die Hälfte.
Der EU-Strommix 2025 in Zahlen
| Kennzahl (EU-27, 2025) | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Anteil Wind und Sonne | 30,1 % (841 TWh) | Ember, European Electricity Review 2026 |
| Anteil fossil | 29,0 % (809 TWh) | Ember |
| Solarstrom | 369 TWh, rund 20 % mehr als 2024 | Ember |
| Anteil Erneuerbare | knapp die Hälfte | Ember |
| Kohle | historischer Tiefstand | Ember |
| Länder, in denen Wind und Sonne mehr liefern als fossile Quellen | 14 von 27 | Ember |
Ember ist ein unabhängiger Thinktank, der Erzeugungsdaten aus nationalen Statistiken und von Übertragungsnetzbetreibern zusammenführt. Amtliche Energiebilanzen veröffentlicht Eurostat, stündliche Erzeugungsdaten je Land die Transparenzplattform von ENTSO-E.
Wie sich der Mix verändert hat
Über Jahrzehnte kam Europas Strom vor allem aus Kohle, Gas, Kernkraft und Wasserkraft. Die Dampftechnik hinter den meisten dieser Kraftwerke erklären wir unter Wie Wärmekraftwerke funktionieren. Seit den 2000er-Jahren sind Windkraft und später Photovoltaik schnell gewachsen, die Kohle ging zurück, und Erdgas wurde zur wichtigsten flexiblen fossilen Quelle.
2025 kamen die Niederlande und Kroatien zu den EU-Ländern hinzu, in denen Wind und Sonne mehr Strom liefern als fossile Kraftwerke; damit sind es 14. Wasserkraft und Kernkraft, die beiden anderen großen CO2-armen Quellen, sind laut Ember in den vergangenen fünf Jahren stabil geblieben oder leicht zurückgegangen. Das Wachstum kam fast ausschließlich aus Wind und Sonne.
Große Unterschiede zwischen den Ländern
Ein EU-Durchschnitt verdeckt sehr verschiedene Stromsysteme:
- Deutschland hat die Kernkraft im April 2023 beendet und steigt aus der Kohle aus; Wind und Sonne sind inzwischen die größten Quellen.
- Österreich bezieht einen großen Teil seines Stroms aus Wasserkraft.
- Frankreich stützt sich auf eine große Flotte von Kernkraftwerken und hat dadurch einen CO2-armen Mix mit wenig fossiler Erzeugung.
- Polen war traditionell stark von Kohle abhängig, auch wenn der Anteil erneuerbarer Energien steigt.
- Spanien, Portugal und Griechenland haben viel Solar- und Windkraft zugebaut.
Außerhalb der EU setzt die Schweiz auf Wasser- und Kernkraft, Norwegen fast ausschließlich auf Wasserkraft, und Großbritannien hat einen hohen Anteil an Offshore-Wind und Gas.
Weil das europäische Netz verbunden ist, fließt ständig Strom über die Grenzen. Ein sonniger Nachmittag in Spanien oder eine windige Nacht an der Nordsee beeinflusst Preise und Lastflüsse weit über diese Regionen hinaus.
Warum die Stunde so wichtig ist wie das Jahr
Jahresanteile sind aufschlussreich, aber das Netz muss in jeder Sekunde ausgeglichen sein. An einem sonnigen, windigen Frühlingstag decken Wind und Sonne in manchen Ländern den Großteil des Bedarfs, und die Börsenpreise können unter null fallen. An einem windstillen Winterabend tragen Gaskraftwerke, Wasserkraft, Speicher und Importe die Last.
Diese Schwankungen machen Flexibilität wertvoll. Darauf beruhen dynamische Stromtarife, die stündliche Preise an Haushalte weitergeben, und virtuelle Kraftwerke, die Speicher und andere Anlagen bündeln.
Emissionen und Luftqualität
Weniger Kohle bedeutet weniger Kohlendioxid und weniger Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide und Staub. Die verbleibenden Kraftwerke müssen mit Rauchgasreinigung die EU-Grenzwerte einhalten, wie unter Rauchgasreinigung einfach erklärt beschrieben. Die CO2-Intensität des Stroms in Gramm je Kilowattstunde unterscheidet sich deshalb stark nach Land und Stunde.
Und das Balkonkraftwerk?
Steckersolargeräte und Dachanlagen sind Teil des Solarwachstums in der Statistik, entweder als Erzeugung oder als geringerer Strombezug aus dem Netz zur Mittagszeit. Einzeln sind sie winzig, in Deutschland aber inzwischen millionenfach verbreitet. Am meisten bewirken sie, wenn der Strom direkt im Haushalt verbraucht wird. Wie ein solches Gerät funktioniert, erklärt der Bereich Balkonkraftwerk.
So lesen Sie die Daten selbst
- Für das aktuelle EU-Gesamtbild: die Zusammenfassung des jährlichen Ember-Berichts.
- Für amtliche Länderwerte: die Energiedaten von Eurostat.
- Für stündliche Erzeugung in einem Land: die ENTSO-E-Transparenzplattform.
- Immer auf das Jahr achten: Die Anteile ändern sich schnell, diese Seite gibt die Daten für 2025 wieder, veröffentlicht Anfang 2026.
Mehr Hintergrund im Bereich Strom und Netz.
Häufige Fragen
Woher kommt der meiste Strom in der EU?
Zusammengenommen lieferten erneuerbare Energien 2025 knapp die Hälfte des EU-Stroms. Bei den einzelnen Quellen wechselt die Reihenfolge zwischen Kernkraft, Wind und Gas von Jahr zu Jahr; aktuelle Werte veröffentlichen Ember und Eurostat.
Sind die Schweiz und Großbritannien in den Zahlen enthalten?
Nein. Die EU-Zahlen umfassen die 27 Mitgliedstaaten. Die Schweiz und Großbritannien veröffentlichen eigene Statistiken; die Schweiz setzt vor allem auf Wasser- und Kernkraft.
Warum schwankt der Strommix im Lauf des Tages?
Wind- und Solarstrom folgen Wetter und Tageszeit. Andere Kraftwerke, Speicher und Importe füllen die Lücken. Deshalb schwanken Börsenpreise und CO2-Intensität des Stroms über den Tag.
Wo finde ich aktuelle Zahlen für Deutschland?
Stündliche Erzeugungsdaten je Land bietet die Transparenzplattform von ENTSO-E. Jahreswerte für Deutschland veröffentlichen unter anderem die Bundesnetzagentur und das Umweltbundesamt.